{"id":52,"date":"2010-02-07T11:15:40","date_gmt":"2010-02-07T10:15:40","guid":{"rendered":"http:\/\/www.u-porsch.de\/?page_id=52"},"modified":"2015-10-24T14:53:42","modified_gmt":"2015-10-24T13:53:42","slug":"erklarungsmodelle-des-kranksein","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.u-porsch.de\/?page_id=52","title":{"rendered":"Erkl\u00e4rungsmodelle des \u201cKranksein\u201d"},"content":{"rendered":"<p>Je nach Perspektive gibt es unterschiedliche Konzepte und Erkl\u00e4rungsmodelle von Kranksein und St\u00f6rungen. Diese lassen sich wie folgt klassifizieren:<\/p>\n<ul>\n<li><em><strong>das biologisch-physiologische Modell<\/strong><\/em><br \/>\nDieses geht von der Annahme aus, dass Organl\u00e4sionen, die zu bestimmten St\u00f6rungen f\u00fchren, durch genetische, virale, bakterielle, chemische oder physikalische Faktoren verursacht werden. Aus der Diagnose der jeweiligen St\u00f6rung wird eine entsprechende Therapie abgeleitet, die zur Linderung bzw. Heilung der St\u00f6rung f\u00fchren soll. So wird beispielsweise eine affektive oder psychotische St\u00f6rung ausschlie\u00dflich auf eine St\u00f6rung im Transmitterhaushalt zur\u00fcckgef\u00fchrt, die aus dieser Perspektive daher auch prim\u00e4r psychopharmakologisch behandelt werden muss.<\/li>\n<li><em><strong>das psychoanalytische Modell<br \/>\n<\/strong><\/em>Dieses Modell versteht St\u00f6rungen im sozial-kommunikativen und k\u00f6rperlichen Bereich als Resultat von ungel\u00f6sten, biographisch erworbenen Grundkonflikten (Individuation vs. Abh\u00e4ngigkeit; Kontrolle vs. Unterwerfung, Versorgung vs. Autarkie, Selbstwert- und \u00f6dipale Konflikte) und nimmt an, dass es\u00a0den Betroffenen noch nicht gelungen ist, die hinter den\u00a0St\u00f6rungen verborgenen Konflikten zur \u201eSprache zu bringen\u201c. Unter unbewusster Abw\u00e4gung der vermeintlichen Konsequenzen werden solche Konflikte aus dem Bewusstsein verdr\u00e4ngt und finden stattdessen in den jeweiligen Symptomen oder Verhaltensauff\u00e4lligkeiten verschl\u00fcsselt und als das vermeintlich \u201ekleinere \u00dcbel\u201c ihren Ausdruck.<\/li>\n<li><em><strong>das verhaltensmedizinische Modell<\/strong><\/em>\n<ul>\n<li><em>lerntheoretische Paradigma<\/em><br \/>\nIm Rahmen dieses Modells wird abweichendes Verhalten wie beispielsweise eine forcierte Inanspruchnahme medizinischer Versorgungseinrichtungen auf spezifische maladaptive Lernprozesse zur\u00fcckgef\u00fchrt, die entweder als Ergebnis von klassischer bzw. operanter Konditionierung oder aber auf ein Lernen am Modell zu betrachten sind.<\/li>\n<li><em>kognitive Paradigma<\/em><br \/>\nPsychische St\u00f6rungen und Verhaltensauff\u00e4lligkeiten werden als das Ergebnis von so genannten dysfunktionalen Wahrnehmungs- und Interpretationsmustern verstanden, wie beispielsweise eine \u00e4ngstliche Fokussierung eines Infarktpatienten auf vermeintlich auff\u00e4llige Funktionsunregelm\u00e4\u00dfigkeit seines Herzens.<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<li><em><strong>das soziologische Modell\u00a0<\/strong><\/em><br \/>\nDieses Modell geht davon aus, dass sozioemotionaler Distress, wie niedriger sozialer Status, spezifische Rollenerwartungen und geringe soziale Unterst\u00fctzung etc. eine erh\u00f6hte Erkrankungswahrscheinlichkeit bedingen. Die St\u00f6rung erscheint hier als Krankheit unter dem Gesichtspunkt der sozialen Rollenzuschreibung, bei dem die Diagnose sozusagen als &#8218;Etikett&#8216; sein weiteres Verhalten als Kranker im sozialen Kontext entscheidend beeinflusst. So k\u00f6nnte nach dieser so genannten <em>Labeling-Theorie<\/em> eine Etikettierung z.B. als AD(H)S einer Familie die Auseinandersetzung mit verborgenen Konflikten, Erwartungen und Anspr\u00fcchen erst einmal ersparen, w\u00e4hrend die Bekanntgabe der Diagnose \u201eHIV-positiv\u201c stigmatisierend wirksam w\u00e4re.<\/li>\n<li><em><strong>das bio-psycho-soziale Modell<\/strong><\/em><br \/>\nDieses Modell stellt sozusagen eine Synopsis der biomedizinischen, psychosozialen, psychoanalytischen, verhaltenstherapeutischen und soziologischen Perspektive dar. Hierbei wird eine biologische bzw. psychische Disposition angenommen, die bei unzureichenden Abwehr- und Bew\u00e4ltigungsstrategien unter inneren Stressoren und\/oder belastenden Lebens- und Umweltereignissen zur St\u00f6rungsmanifestation f\u00fchrt.<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Je nach Perspektive gibt es unterschiedliche Konzepte und Erkl\u00e4rungsmodelle von Kranksein und St\u00f6rungen. Diese lassen sich wie folgt klassifizieren: das biologisch-physiologische Modell Dieses geht von der Annahme aus, dass Organl\u00e4sionen,&hellip; <\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":2,"menu_order":2,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"ngg_post_thumbnail":0},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.u-porsch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/52"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.u-porsch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.u-porsch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.u-porsch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.u-porsch.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=52"}],"version-history":[{"count":13,"href":"https:\/\/www.u-porsch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/52\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":273,"href":"https:\/\/www.u-porsch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/52\/revisions\/273"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.u-porsch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/2"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.u-porsch.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=52"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}