{"id":505,"date":"2017-02-17T17:42:31","date_gmt":"2017-02-17T16:42:31","guid":{"rendered":"http:\/\/www.u-porsch.de\/?page_id=505"},"modified":"2017-02-17T17:47:46","modified_gmt":"2017-02-17T16:47:46","slug":"bin-jip","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.u-porsch.de\/?page_id=505","title":{"rendered":"Bin jip"},"content":{"rendered":"<h1>Kim Ki-Duk (2004): \u201e<em>Bin-Jip\u201c<\/em><\/h1>\n<p><iframe loading=\"lazy\" src=\"\/\/www.youtube.com\/embed\/7NJokzdpZVg\" width=\"560\" height=\"314\" allowfullscreen=\"allowfullscreen\"><\/iframe><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 10pt; color: #008080;\"><strong>Inhalt des Films:<\/strong><br \/>\n<\/span><span style=\"font-size: 10pt; color: #008080;\">Der Protagonist Tae-suk l\u00e4sst sich auf seinem Motorrad durch die Stadt treiben. Er bricht per <a style=\"color: #008080;\" title=\"Lockpicking\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Lockpicking\">Lockpicking<\/a> in verschiedene Wohnungen ein, deren Eigent\u00fcmer vor\u00fcbergehend verreist sind. Als Indikator benutzt er Pizzaflyer: Sind sie lange nach dem Anbringen noch unangetastet, ist er sicher, dass keiner zu Hause ist. Dann l\u00e4sst er sich dort nieder, isst, schl\u00e4ft und geht wieder, allerdings nicht ohne vorher die Kleider des Besitzers gewaschen, die Wohnung geputzt und defektes Equipment repariert zu haben. Der Sonderling stiehlt nie etwas, sondern verschwindet stets nach einigen Tagen wieder unbemerkt. Doch eines Tages bricht er in das Haus des Models Sun-hwa ein, die mit einem reichen Gesch\u00e4ftsmann verheiratet und Opfer von <a style=\"color: #008080;\" title=\"H\u00e4usliche Gewalt\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/H%C3%A4usliche_Gewalt\">h\u00e4uslicher Gewalt<\/a> ist. Zun\u00e4chst versteckt sie sich vor ihm, aber als ihr Mann kommt und die beiden \u00fcberrascht, flieht sie mit Tae-suk und folgt ihm bei seiner Reise durch die Stadt, die kein wirkliches Ziel zu haben scheint.<br \/>\n<\/span><span style=\"font-size: 10pt; color: #008080;\">So leben beide in stillem Einverst\u00e4ndnis miteinander, aus dem sich eine innige Zuneigung entwickelt. Sun-hwa begleitet Tae-suk fortan und dringt zusammen mit ihm in H\u00e4user und Wohnungen ein. Eines Tages jedoch betreten sie eine Wohnung, in der sie einen toten alten Mann auffinden. Anschlie\u00dfend beerdigen Tae-suk und Sun-hwa diesen in respektvoller Weise. Doch als der Sohn des Verstorbenen mit seiner Frau in die Wohnung kommt und die beiden Eindringlinge entdeckt, ruft er die Polizei. Tae-suk wird als vermeintlicher M\u00f6rder festgenommen. W\u00e4hrend der Vernehmungen spricht Tae-suk weiterhin kein Wort, was den zust\u00e4ndigen Kommissar in Rage versetzt. Um ihn zum Reden zu bringen, verpr\u00fcgelt er Tae-suk. Es stellt sich rasch heraus, dass der alte Mann nicht ermordet wurde, sondern an Lungenkrebs starb. Tae-suk wird dennoch angeklagt, wegen der Entf\u00fchrung von Sun-hwa \u2013 ihr gewaltt\u00e4tiger Ehemann hatte sie als vermisst gemeldet \u2013, sowie wegen Einbruchs und der unsachgem\u00e4\u00dfen Beseitigung einer Leiche.<br \/>\n<\/span><span style=\"font-size: 10pt; color: #008080;\">Sun-hwa muss zu ihrem Ehemann zur\u00fcckkehren. Tae-suks Verhalten im Gef\u00e4ngnis ist eigenartig: Er lernt, sich im Schatten des W\u00e4rters zu bewegen, immer hinter ihm zu sein, so dass dieser ihn nicht sehen kann. Weil die W\u00e4rter ihn deswegen nicht mehr kontrollieren k\u00f6nnen, wird Tae-suk aus dem Gef\u00e4ngnis entlassen. Zun\u00e4chst stattet er allen H\u00e4usern und Wohnungen, die er zusammen mit Sun-hwa bereist hat, einen Besuch ab, wobei er weiterhin diese Technik anwendet und so quasi unbemerkt von den dort anwesenden Personen verweilt. Im Grunde ist er wirklich unsichtbar geworden, man sp\u00fcrt ihn, kann ihn aber nicht mehr sehen.<br \/>\n<\/span><span style=\"font-size: 10pt; color: #008080;\">Schlie\u00dflich kehrt er zu Sun-hwas Haus zur\u00fcck. Ihr Ehemann ist \u00fcber ihre pl\u00f6tzliche Fr\u00f6hlichkeit verwundert. Er ahnt nicht, das Tae-suk dieselbe \u201eUnsichtbarkeit\u201c in seinem Haus anwendet und nur von Sun-hwa gesehen werden kann, die nun, in ihrer aufrichtigen Liebe zu Tae-suk, wieder aufbl\u00fcht.<br \/>\n<\/span><span style=\"font-size: 10pt; color: #008080;\">Der Film endet mit der Schrifttafel: <i>\u201eEs ist schwer zu sagen, ob die Welt, in der wir leben, die Realit\u00e4t ist oder ein Traum.\u201c <\/i>(aus Wikipedia)<\/span><\/p>\n<h1>Psychoanalytische Filmbetrachtung<br \/>\nim Cin\u00e9Mayence<\/h1>\n<h4>Prolog<\/h4>\n<p>Nach solchen Filmen geht es mir h\u00e4ufig wie nach einem Traum aus dem man aufwacht. Das Anschalten der Beleuchtung holt einen zur\u00fcck in die Realit\u00e4t und man nimmt pl\u00f6tzlich die Menschen um sich herum wieder genauer wahr. Und manchmal m\u00f6chte man am liebsten weitertr\u00e4umen und nicht unbedingt dar\u00fcber reden, es vielleicht zerreden.<\/p>\n<p>So meinte auch mein \u00e4ltester Sohn nach diesem Film als ersten Kommentar, dass man am besten nicht dar\u00fcber reden sollte, es sei alles gesagt. Stimme ich zu, m\u00f6chte und bin jetzt hier allerdings aufgefordert diese Stille, die Sprachlosigkeit und vielleicht auch beginnende M\u00fcdigkeit nach einem langen Arbeitstag zu \u00fcberwinden, zu durchbrechen und versuche damit genau besehen etwas, was letztlich auch in unserer psychoanalytischen Praxis immer wieder Thema ist und sein sollte. In dem Film BinJip haben Worte, hat Sprache nur wenig Bedeutung. Der m\u00e4nnliche Protagonist spricht nicht ein einziges Wort auch wenn er furchtbar verpr\u00fcgelt und misshandelt wird, Die weibliche Protagonistin spricht zwei S\u00e4tze: \u201eDas Essen ist fertig\u201c und \u201eich liebe Dich\u201c. Und derjenige, an den die Worte gerichtet sind, ist noch nicht einmal gemeint, und ahnt es noch nicht einmal.<\/p>\n<p>Nun tun sich Analytiker manchmal schwer, wenn es um das Handeln geht. Sie haben es ja eher mit der Sprache. Denn mit Paula Heimann stellen wir uns die Frage wenn ein Pat. zu uns kommt: wer spricht hier eigentlich, zu wem spricht er letztlich und wor\u00fcber spricht er, d.h. gibt es einen Subtext und warum spricht er gerade jetzt dar\u00fcber. Tja, und wenn beide Protagonisten im Film fast \u00fcberhaupt nicht sprechen, was dann.<\/p>\n<p>Freud hatte bei seiner talking cure anfangs erwartet, dass wenn die Pat. auf der Couch liegen und anfangen, aus ihrer Vergangenheit zu erz\u00e4hlen, dass sie sich dann einfach an das Verdr\u00e4ngte erinnern. Er musste aber feststellen, dass sie teilweise gar nicht viel erz\u00e4hlen. Vielmehr kam er zu den Schluss: \u201eDer Analysierte erinnere \u00fcberhaupt nichts von dem Vergessenen und Verdr\u00e4ngten, sondern er agiere es. Er reproduziert es nicht als Erinnerung, sondern als Tat, er wiederholt es, ohne nat\u00fcrlich zu wissen, dass er es wiederholt\u201c und weiter: \u201eman versteht endlich, dies (n\u00e4mlich die Handlung, die Tat) ist seine Art zu erinnern\u201c.<\/p>\n<p>Verstehen wir also die Handlung der Akteure im Film als ihre Form des sprachlosen Erinnerns.<\/p>\n<h4>eigene Faszination:<\/h4>\n<p>Das, was mich an dem Film am meisten fasziniert hat, sind die unterschiedlichen, manchmal gegens\u00e4tzlichen Versatzst\u00fccke, die symbolisch hoch aufgeladen erscheinen, die aber neben dem vordergr\u00fcndigen bei genauerem Hinsehen kein einheitliches Bild ergeben (man denke nur an das Plakat der weiblichen Protagonistin, das sie zerschneidet und als patchwork zusammensetzt). Auf den ersten Blick erscheint der Film wie eine sch\u00f6ne und auch tragisch verlaufende Liebesgeschichte. Nur was ist das f\u00fcr eine Liebe zwischen den Beiden.?<\/p>\n<p>In der Vorbereitung des heutigen Abends bemerkte ich im Verlauf auch immer wieder Momente, in denen ich nach der anf\u00e4nglichen Faszination beim Reflektieren \u00fcber diesen Film auch Gef\u00fchle einer gro\u00dfen Einsamkeit und dann auch Leere bekam, als ob der Film durch seine sprachlosen Bilder sich in eigene tiefere unbewusste Schichten einnistet. Es schien so, wie wenn der Film heimlich in einen eindringt, gleicherma\u00dfen wie der m\u00e4nnliche Protagonist sich unmerklich Zutritt in die leeren H\u00e4user und Wohnungen verschafft. Sozusagen als Gegenbewegung merkte ich zunehmend auch Unmut, einen Widerstand und Hemmung, die Dinge und Vorstellungen in Worte zu fassen, sozusagen das zu mentalisieren, was hier nur in Bilder und Stimmungen auftaucht. Mir schien es manchmal so, wie wenn ich mich hierzu zwingen musste, das Unausgesprochene in Sprache zu fassen. Sprache schien auf einmal hierf\u00fcr ein v\u00f6llig unzureichendes Medium, das zu kommunizieren, was der Film ausdr\u00fcckt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Was Sie also jetzt <u>nicht<\/u> von mir erwarten d\u00fcrfen ist eine umfassende ges\u00e4ttigte Deutung nach dem Muster: f\u00fcr Psychoanalytiker steht BinJip f\u00fcr&#8230;..<\/p>\n<p>Vielmehr werde ich verschiedene Aspekte des Filmes herausgreifen und auf ihren Aussagegehalt pr\u00fcfen, Erkl\u00e4rungen und Deutungen versuchen, die sich nicht nur erg\u00e4nzen, sondern durchaus widersprechen k\u00f6nnen. Da es bei diesem Film um R\u00e4ume geht w\u00e4re mein Ziel mit meinen \u00dcberlegungen im hier und jetzt, den Raum des Denkens, Reflektierens und Phantasierens \u00fcber diesen Film hoffentlich durch eine vielleicht andere Sichtweise etwas zu vergr\u00f6\u00dfern. D.h. f\u00fchlen sie sich hiermit auch sehr aufgefordert, durchaus gegens\u00e4tzliche Deutungen und Interpretationen sp\u00e4ter zu erg\u00e4nzen, es w\u00fcrde mich sehr freuen.<\/p>\n<h4>Leere H\u00e4user, leere Menschen, leere R\u00e4ume<\/h4>\n<p>BinJip hei\u00dft \u00fcbersetzt, leere H\u00e4user. Aber eigentlich geht es nicht nur um verlassene H\u00e4user und Wohnungen, sondern es geht um die Leere in den Menschen, und eine Leere, die nicht entstanden ist, sondern vermutlich schon immer vorhanden war und durch vielf\u00e4ltigste Mechanismen kompensiert werden musste. Der m\u00e4nnliche Protagonist dringt in diese leere H\u00e4user ein und versucht in der Abwesenheit der Bewohner sozusagen heimlich f\u00fcr einen kurzen Augenblick in deren Leben einzutauchen, wird virtuell zum Mitglied dieser jeweiligen Familien, zieht freudig l\u00e4chelnd in das Kinderzimmer ein, benutzt die Zahnb\u00fcrste und w\u00e4scht sich wie ein nach Hause kommender Junge in der Dusche. Er zappt sich bequem machend auf der Couch durch die Programme, wie wenn er dort immer schon heimisch gewesen w\u00e4re. Zum Ausgleich w\u00e4scht er liegengebliebene W\u00e4sche, putzt Schuhe und verl\u00e4sst die Wohnung, wie wenn er nie dagewesen w\u00e4re, sozusagen ein guter Geist. Anfangs h\u00e4lt man noch Distanz, ist noch irritiert davon, dass da jemand grenz\u00fcberschreitend in die Intimsph\u00e4re Anderer schamlos eindringt und erwartet st\u00e4ndig, dass er ertappt wird. Aber wie sagt der Polizist nach der Festnahme: \u201eIch habe das Gef\u00fchl, dass er eigentlich gar kein schlechter Mensch ist\u201c Er repariert eine Spielzeugpistole, eine Uhr, einen CD-Player, eine Waage usw. Er will doch nur Gutes. Und wer w\u00fcnscht sich nicht einen guten Geist, der einfach mal ganz schnell die Dinge macht, zu denen man nicht kommt oder zu denen man einfach keine Lust hat. Wir schlagen uns zunehmend auf seine Seite und beginnen die Grenz\u00fcberschreitung zu verzeihen, vielleicht auch, weil wir \u00fcber ihn unsere eigene Neugier befriedigen k\u00f6nnen, wie Andere so leben. Denn das, was wir bef\u00fcrchten, n\u00e4mlich das jemand in unserer Abwesenheit in unsere Wohnung eindringt, Sachen durchw\u00fchlt, intime Briefe liest usw. k\u00f6nnte zu einem Teil ja durchaus auch auf einen solchen uns selbst nicht eingestanden Wunsch hindeuten, n\u00e4mlich mal heimlich zu schauen und zu entdecken, wie andere so leben, sozusagen unter einer Tarnkappe. Und der m\u00e4nnliche Protagonist erm\u00f6glicht uns stellvertretend die Dinge durch ihn zu betrachten ohne direkt beteiligt zu sein: er nimmt uns sozusagen mit, und erf\u00fcllt uns vielleicht ein St\u00fcck weit einen voyeuristischen einen Wunsch, den wir uns vielleicht nicht ganz eingestehen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Aber auf einer anderen Ebene versucht er den abwesenden Wohnungsbesitzer das zu geben, was er sich selbst sehnlichst w\u00fcnscht: das da jemand kommt, der hilft, sein Innerstes in Ordnung zu bringen, der ihm Familie, Halt, Struktur, Bedeutung und Sinnhaftigkeit gibt. Und von diesem Zwang zum Reparieren kann er auch dann nicht ablassen, als in der letzten Wohnung, in der sie den toten Mann finden klar ist, dass sie gleich entdeckt werden. Mich hat dies an die Kindergeschichte von Christine N\u00f6stlinger: Zwerg im Kopf erinnert, in dem ein daumenfingergro\u00dfer Zwerg am ersten Schultag von Anna in den Kopf hineinkrabbelt und ihr, die unter der Scheidung der Eltern leidet hilft, d.h. f\u00fcr sie da ist, mit ihr spricht und sich \u00fcber die innere Unordnung in Annas Kopf mokiert, aber zum st\u00e4ndigen Begleiter wird.<\/p>\n<p>Als der Boxer auf ihn einpr\u00fcgelt fragt er: \u201eWas habt ihr hier zu suchen, wenn ihr nichts stehlen wollt\u201c. Aber er will nichts stehlen, sondern er sucht ein inneres Objekt, das zur Kristallisation und zum Aufbau eines Selbst f\u00fchren kann. Er verschmilzt ganz mit der jeweiligen Umgebung, versucht diese aufzusaugen: er wird zum Golfspieler, zum Whisky trinkenden Boxer mit seiner Gef\u00e4hrtin, zelebriert mit ihr gemeinsam eine Teezeremonie, aber vergeblich.<\/p>\n<p>D.h. er gebiert sich in den jeweiligen Wohnung so wie er denkt, dass sich die dortigen Akteure verhalten: er versucht diese zu kopieren, l\u00e4sst sich als Boxer vor dem Plakat des Boxers fotografieren in der Hoffnung, die Identit\u00e4t der Anderen in sich aufnehmen, zumindest irgendwie festhalten zu k\u00f6nnen. Diese hilflosen Versuche entsprechen letztlich der Fl\u00fcchtigkeit der Bits und Bytes der angefertigten Digitalfotos; eine falsche Taste und die Bilder sind weg ohne R\u00fcckst\u00e4nde, wie wenn es sie nie gegeben h\u00e4tte.<\/p>\n<p>Bedeutsam sind allenfalls die Oberfl\u00e4chen, die H\u00fcllen, weil die \u00e4u\u00dferen wie die inneren R\u00e4ume bedeutungsleer sind oder geworden sind: es werden wundersch\u00f6ne Bilder der weiblichen Protagonistin gezeigt, eindrucksvolle Wohnungen und H\u00e4user, ein Golf \u00e9quipement, ein ausgesprochen teures Auto und ebensolches Motorrad.<\/p>\n<p>Es erinnert damit an einen Werbespot der Sparkassen: mein Haus, mein Auto, mein Boot. Aber alles dies sind Prothesen, eine Ablenkung, ein Antidepressivum, um die innere Leere einigerma\u00dfen ertr\u00e4glich zu halten.<\/p>\n<p>Freud schrieb hierzu zum Unbehagen in der Kultur: \u201eMit all seinen Werkzeugen vervollkommt der Mensch seine Organe \u2013 die motorischen wie die sensorischen \u2013oder tr\u00e4umt die Schranken f\u00fcr ihre Leistungen weg. (&#8230;) Der Mensch ist sozusagen eine Art Prothesengott geworden, recht gro\u00dfartig, wenn er alle seine Hilfsorgane anlegt. (&#8230;) (Aber) wir (wollen) (..) auch nicht daran vergessen , dass der heutige Mensch sich in seiner Gott\u00e4hnlichkeit nicht gl\u00fccklich f\u00fchlt\u201c.<\/p>\n<p>Die Innen- und Hauptst\u00e4dte der Kontinente gleichen sich: in Fu\u00dfg\u00e4ngerzonen kann man sich an Zara, H&amp;M; Fastfood-Ketten usw. orientieren. Alles wirkt uniformistisch in einer globalisierten Welt, in der man sich zwar mit Navigationsger\u00e4ten \u00fcberall zu Recht finden kann, aber nur wenig Neues und Unbekanntes entdecken wird.<\/p>\n<p>Aber der Mensch als Prothesengott scheint sein Streben \u00e4hnlich der biblischen Erz\u00e4hlung des Turmbaus zu Babel mit einer Sprachverwirrung bezahlen zu m\u00fcssen. Es gibt keine Sprache als verl\u00e4ssliche M\u00f6glichkeit der Verst\u00e4ndigung.<\/p>\n<p>Auf die Frage eines Interviewers an den Regisseur, warum seine Akteure so wenig sagen antwortete er: \u201emit der Sprache k\u00f6nnen wir nicht alles ausdr\u00fccken, sie ist voller L\u00fcgen. Sie kann nichts Genaues sagen. Das Schweigen besagt, dass es keine Sprache gibt, sondern Wichtiges sich im Handeln ausdr\u00fcckt.\u201c<\/p>\n<p>D.h. wenn die weibliche Protagonistin am Ende sagt, ich liebe Dich, sieht sich der Ehemann endlich am Ende seiner Wunschtr\u00e4ume angelangt. Aber er irrt schwerwiegend, denn er ist nicht gemeint, sondern gemeint ist der sich versteckende m\u00e4nnliche Protagonist oder aber eben die virtuelle, tr\u00e4umerische Vorstellung von einem Menschen. Zuletzt bleibt nur die Flucht in eine innere, eine dissoziierte Welt, in der man sich in der Phantasie die Dinge so zusammenstellen kann, wie man es m\u00f6chte, \u00fcber alles Kontrolle hat, was die Wirklichkeit nicht erm\u00f6glicht. Es bleibt die Zuflucht zu alten Ritualen: das Waschen der W\u00e4sche mit der Hand, die Teezeremonie in einer museal anmutenden Umgebung des alten Korea oder aber das Beerdigungsritual des alten Mannes, der \u201evon ihm besser beerdigt (wurde), als der eigene Sohn es h\u00e4tte tun k\u00f6nnen\u201c.<\/p>\n<p>Einige der im Film vorkommenden Insignien der Konsumgesellschaft stehen genau besehen f\u00fcr das Erkunden weiter R\u00e4ume: mit dem vollverkleideten schweren Motorrad wie mit der gro\u00dfen Limousine m\u00f6chte man am liebsten verreisen, weite Strecken zur\u00fccklegen, die Welt erkunden und sich weniger durch enge und verstopfte Stra\u00dfen schl\u00e4ngeln. Beim Golfspielen sucht man die Weite und den Geruch der Landschaft, in dem man dem geschlagenen Ball hinterherl\u00e4uft. Aber vielleicht k\u00f6nnen erst die \u00e4u\u00dferen R\u00e4ume erkundet werden, wenn die inneren R\u00e4ume nicht mehr leer sind. So muss man mit dem Auto und Motorrad in der Sicherheit der engen Stra\u00dfen und mit dem Golfspiel im eigenen Garten oder an einen um einem Baum befestigten Golfball verhaftet bleiben.<\/p>\n<h4>Wie sind die anderen Beziehungen im Film gestaltet:<\/h4>\n<p>Der Ehemann der Protagonistin muss die Frau vollst\u00e4ndig besitzen und kontrollieren, zugleich ist aber ihre Resonanz, ihre Antwort, Zugewandtheit und direkte R\u00fcckspiegelung f\u00fcr seine Selbstwertstabilisierung unabdingbar. Hierdurch scheint er zugleich im h\u00f6chsten Ma\u00dfe von ihr abh\u00e4ngig, ist ihr h\u00f6rig. Diese Beziehung steht f\u00fcr einen ausgesprochen sadomasochistischen Interaktionsmodus, in dem T\u00e4ter-Opfer-Zuschreibungen vordergr\u00fcndig eindeutig verteilt scheinen, sich aber genau besehen st\u00e4ndig im Fluss befinden. Denn wer ist wirklich nur T\u00e4ter und nur Opfer. Erst gegen Ende des Films bricht die weibliche Protagonistin aus ihrem masochistischen Muster aus, in dem sie ihrem Ehemann eine Ohrfeige gibt.<\/p>\n<p>Die anderen in ihre Wohnungen zur\u00fcckkehrenden Paare oder Familien streiten sich teilweise heftig und zerbrechen damit das fiktive Idealbild einer \u00fcberaus gl\u00fccklichen Familie, das diese durch ihre Bilder an den W\u00e4nden und Fotoalben vermittelt haben. Auch der adrett gekleidete Sohn des an Lungenkrebs verstorbenen Vaters, l\u00e4sst diesen in einer offenbar heruntergekommenen Wohnung und Umgebung leben, k\u00fcmmert sich mehr um sein Fortkommen und Urlaub und entlastet sich von seinen Schuldgef\u00fchle, den Vater mit seiner schweren Krankheit vernachl\u00e4ssigt zu haben dadurch, in dem er in den eindringenden Protagonisten Schuldige gefunden hatte.<\/p>\n<p>Eine gewisse Ausnahme stellt das Paar in der vorletzten Wohnung, (der musealen Umgebung) dar. Sie werden f\u00fcr die weibliche Protagonistin f\u00fcr eine kurze Zeit zum guten Elternpaar, die sie bei sich ausschlafen lassen\u2013 ohne sie zu kennen \u2013 &nbsp;einfach nur da sind und einen beh\u00fcteten Raum zur Verf\u00fcgung stellen. Sie erm\u00f6glichen ihr damit im Gegensatz zu ihrem Ehemann ein Schritt in Richtung gr\u00f6\u00dferer Selbstregulation, als der F\u00e4higkeit allein und f\u00fcr sich sein zu k\u00f6nnen, in der Anwesenheit Anderer, ein Aspekt, der sehr an Winnicott denken l\u00e4sst. Hierdurch kann sie vielleicht zum Teil das, was vielleicht noch fragmentiert ist oder wieder geworden ist, zu einem einheitlichen und sozusagen authentischen Bild zusammensetzen (man denke an das Foto von sich, das sie zerst\u00fcckelte und zu einem Patchworkbild zusammenklebte)<\/p>\n<h4>Auch die Opfer werden zu T\u00e4tern und tragen Schuld<\/h4>\n<p>Was wir dem m\u00e4nnlichen Protagonisten anfangs noch verzeihen k\u00f6nnen, ist sein Eindringen in fremde Wohnungen. Er ist ja ein guter Mensch, er will ja nichts stehlen, sondern nur helfen. So befreit er eine misshandelte Frau von ihrem Peiniger. Er repariert Dinge, beerdigt Verstorbene usw. Leicht \u00fcbersehen wir, dass er zwar anfangs f\u00fcr einen nicht begangenen Mord verantwortlich gemacht wurde, allerdings f\u00fcr die tats\u00e4chliche schwere K\u00f6rperverletzung m\u00f6glicherweise mit Todesfolge nicht bestraft wird. Diese Tat ger\u00e4t nahezu in Vergessenheit.<\/p>\n<p>Denken wir an die erste Wohnung. Die vom m\u00e4nnlichen Protagonisten reparierte Pistole richtet der Junge auf die Mutter und dr\u00fcckt ab in der falschen Gewissheit, dass diese nicht funktioniert. Aber der gute Geist hat sie repariert und sorgt damit daf\u00fcr, dass der Junge damit die Mutter verletzen wird. Der Gute wird damit auch zum T\u00e4ter und tr\u00e4gt Schuld, wie in gewisser Weise auch die weibliche Protagonistin, die sich lange ihrer masochistischen Haltung \u00fcberlassen hatte und damit mitverantwortlich ist. T\u00e4ter werden zu Opfer und Opfer zu T\u00e4tern. Am Ende ist genau betrachtet kaum einer der Akteure schuldlos, so auch nicht der korrupte Polizist, mit dessen Bestrafung wir uns solidarisieren.<\/p>\n<h4>Die Angst vor einer wirklichen Begegnung, vor Kontakt<\/h4>\n<p>Der m\u00e4nnliche Protagonist muss erst einmal erschreckt fl\u00fcchten, als er beim Masturbieren nicht mit seiner phantasierten Onanievorlage alleine bleibt, sondern eine reale, wahrhaftige und sch\u00f6ne Frau zu ihm ans Bett tritt, keine Angst ausstrahlt, sondern neugierig auf ihn ist, zumal sie ihn zuvor aus sicherer Entfernung beobachtend kennenlernen konnte.<\/p>\n<p>In der n\u00e4chsten Szene sieht man ihn als lonesome rider neben seinem Gef\u00e4hrt bezeichnenderweise vor einem Tunnel sitzen, aus dem kurz zuvor ein anderer Motorradfahrer seiner Spur gefolgt war.<\/p>\n<p>Die R\u00fcckkehr in den Tunnel erscheint fast die R\u00fcckkehr in einen Urzustand, vielleicht k\u00f6nnte man sagen in einen Uterus, die zugleich sein Gefangensein darstellen wird. Mit der Entscheidung zur\u00fcckzukehren beginnt eine tragische Entwicklung. Beide verlieren in der Bezogenheit aufeinander &#8211; vielleicht auch in ihrer Verschmelzung &#8211; die Vorsicht, er wird schwer geschlagen und schlie\u00dflich werden sie entdeckt. Die Ann\u00e4herung beider hat etwas \u00fcberaus Vorsichtiges und die wechselseitige Verletzung achtend. Beide erscheinen weniger wie ein Liebespaar, als vielmehr wie zwei Geschwister, die sich in der Not wie Harlowsche Rhesus\u00e4ffchen aneinander schmiegen. (Harlow hat in experimentellen Versuchen zum Bindungsverhalten Rhesusaffen untersucht, die ohne Mutter aufgezogen wurden).<\/p>\n<p>Die vorsichtige Ann\u00e4herung beider findet spielerisch mittels des Golfballes statt, der sp\u00e4ter zur verletzenden Waffe, m\u00f6glicherweise auch zur t\u00f6dlichen Waffe wurde. Ein direkter unmittelbarer Kontakt ist (noch) nicht m\u00f6glich.<\/p>\n<p>Nachdem er vom Boxer verpr\u00fcgelt wurde, f\u00fcttert sie ihn mit einer Nudelsuppe, wie eine Mutter. Was in dieser Szene noch fehlt ist die synchrone Mundbewegung der Mutter, die dem Kind das \u00d6ffnen des Mundes vormacht. Auch tr\u00f6stet sie ihn in seinem k\u00f6rperlichen und seelischen Schmerz.<\/p>\n<p>Er seinerseits legte ihr bei der R\u00fcckkehr ein Kleid samt Unterhose und BH nach dem Baden heraus, ebenfalls wie eine Mutter ihrer kleinen Tochter. Sp\u00e4ter bereitete er ihr, die vermutlich (man denke an die verstellte Waage) unter einer Essst\u00f6rung litt, ein opulentes Mahl. Sie geben sich einander die versorgenden und f\u00fcrsorglichen Eltern.<\/p>\n<p>Sehr hatte mich der an einen Baum befestigte Golfball besch\u00e4ftigt, in dessen virtuelle Flugbahn sich die weibliche Protagonistin immer wieder stellte und er dann sein Schlagen unterbricht. Es kommt zum tragischen Ungl\u00fcck, als sie diese gemeinsame Choreographie unterbricht, sich nicht mehr in die Flugbahn stellt und daraufhin eine unbeteiligte Frau in einem vorbeifahrenden Auto m\u00f6glicherweise t\u00f6dlich verletzt wird.<\/p>\n<p>Der Film beginnt, wenn Sie sich erinnern, mit Golfschl\u00e4gen in ein Netz, die sich fast anh\u00f6ren, wie Peitschenschl\u00e4ge. Das Netz sch\u00fctzt eine weibliche anmutige Skulptur vor diesen geschlagenen Golfb\u00e4llen. Der Kontakt mit Anderen steht f\u00fcr Unvereinbarkeit, Verletzungen, Kr\u00e4nkungen und Entt\u00e4uschungen. Hier entsteht Wut und Hass, die irgendwie verdaut, vielleicht aufgefangen, abgebremst, oder aber externalisiert werden muss.<\/p>\n<p>Indem sich die weibliche Protagonistin in die Flugbahn stellt, signalisiert sie ihre Bereitschaft, seine Wut und seinen Hass in sich aufzunehmen, zu containen, wie es Bion beschreibt. Sie bietet ihm durch eine symbolische Haltung an &#8211; \u00e4hnlich einer Mutter &#8211; gegen\u00fcber dem S\u00e4ugling, solche unverarbeitete, unkontrollierbare und unverdauliche Elemente (Bion nennt dies beta-Elemente) in sich aufzunehmen, zu transformieren und ihnen Bedeutung zu geben. Hinreichend gute M\u00fctter empfinden und transformieren diese Gef\u00fchle so, dass sie f\u00fcr den S\u00e4ugling ertr\u00e4glich werden. Zudem kombinieren sie die Spiegelung unertr\u00e4glicher Affekte mit emotionalen Signalen und zeigen auf diese Weise an, dass der Affekt unter Kontrolle ist, dass alles gut ist und wird. (was Bion als alpha-Funktion bezeichnet).<\/p>\n<p>Aber in dem sie sich nicht wie zuvor in die ge\u00e4nderte Flugbahn stellt, nimmt die Tragik ihren Lauf. Er hat seine Wut und seinen Hass auch nach der Verletzung durch den Boxer externalisiert, auf eine Unbekannte projiziert und entladen. Damit hat er sein unmittelbares Gegen\u00fcber hiervon bewahren k\u00f6nnen und verbleibt als der scheinbar Gute.<\/p>\n<p>Die Tragik liegt in dem gravierenden Missverst\u00e4ndnis und seinem Versuch, sich der vermeintlichen Aufforderung der weiblichen Protagonistin: \u201eschlage mich mit dem Ball\u201c zu widersetzen, um ja nicht an die Stelle des Ehemanns zu treten und die sadomasochistische Beziehung fortzusetzen. Aber genau durch dieses Bem\u00fchen wird er zum Aggressor und verletzt \u201eunwissend\u201c eine Unbeteiligte schwer, m\u00f6glicherweise t\u00f6dlich.<\/p>\n<p>Eigene und fremde Verletzungen und Wunden sowie unverdaulicher Hass und Wut f\u00fchren dazu, dass es kein ICH und DU geben kann und darf. Zuflucht findet man in einer Verschmelzung und im Einswerden. So findet die weibliche Protagonistin ihn in ihrem eigenen Schatten. Beide sieht man am Ende des Films auf der Waage und zusammen ergeben sie 0 kg, d.h. sie sind in ihrer Vereinigung f\u00fcr nichts und niemanden sichtbar, ein Nichts! Damit k\u00f6nnen sie auch nicht verletzt werden.<\/p>\n<h4>Einssein, Zweisam- und Dreisamkeit<\/h4>\n<p>W\u00e4hrend am Anfang des Films der m\u00e4nnliche Protagonist noch sichtbar aber quasi unbemerkt in fremde H\u00e4user eindrang, nutzt er den Gef\u00e4ngnisaufenthalt dazu, unsichtbar in der Anwesenheit Anderer zu werden. Jetzt kann er endlich frei agieren und \u00e4hnlich wie die weibliche Protagonistin alte Orte aufsuchen. (d.h. wenn er auch auf seinen Schatten achtet, f\u00fcr dessen Vernachl\u00e4ssigung er im Gef\u00e4ngnis noch furchtbare Pr\u00fcgel bezog).<\/p>\n<p>Aber warum finden beide denn jetzt, nachdem er aus dem Gef\u00e4ngnis entlassen ist, nicht zusammen, ziehen von dannen und leben ein Leben der Zweisamkeit?<\/p>\n<p>Die englische Fassung dieses Films hei\u00dft: 3-iron, zu Deutsch 3er Eisen und beschreibt einen 3er Golfschl\u00e4ger, der \u2013 ich habe nachgelesen \u2013 im Golf f\u00fcr mittlere Entfernungen von 150-250m vorgesehen sein soll.<\/p>\n<p>Beide k\u00f6nnen die Zweisamkeit nicht oder noch nicht leben, sie ben\u00f6tigen eine Triangulierung, einen Dritten im Bunde, der in der Kussszene tats\u00e4chlich zwischen ihnen steht und letztlich das B\u00f6se, Schlagende symbolisiert. Sie einigen sich darauf, ihn zu hintergehen, in ihm das b\u00f6se Element zu sehen, um damit eben auch ihre Zweisamkeit von solchen Aspekten, Impulsen und Affekten freihalten zu k\u00f6nnen, in dem sie gemeinsam jetzt einen Container f\u00fcr diese Elemente gefunden haben, sie dort entsorgen k\u00f6nnen. Aber in dieser Konstellation kann es letztlich keine weitere Entwicklung hin zur Selbstregulation geben, weil sie hier\u00fcber nicht lernen werden, die eigenen negativen Affekte die auch mit ihrem Gegen\u00fcber zusammenh\u00e4ngen zu mentalisieren, zu verstoffwechseln. Sondern diese Affekte werden bei Fehlen eines zur\u00fcckspiegelnden Containers immer wieder auch die Quelle der Desorganisation und der pathogenen Ausscheidung sein m\u00fcssen.<\/p>\n<h4>Fazit:<\/h4>\n<p>Korea steht f\u00fcr ein geschundenes Land, ein Land in dem immer noch der kalte Krieg herrscht, der uns im letzten Jahrhundert beinahe an den Rand eines dritten Weltkrieges gebracht h\u00e4tte. Ein immer noch geteiltes Land, in dem auf der einen Seite Armut und Mangel regiert und auf der anderen Seite den Insignien der Wohlstandsgesellschaft gehuldigt wird. Ein Land, das von Mongolen lange beherrscht, dann zum tributpflichtiger Vasallen-Staat und Protektorat Chinas, schlie\u00dflich japanische Provinz und nach 1945 am 38 Breitengrad willk\u00fcrlich geteilt wurde. Vielleicht steht die Geschichte dieses Landes und die Befindlichkeiten der Akteure dieses Films auch f\u00fcr die Zerrissen- und Orientierungslosigkeit des heutigen Menschen in einer Konsumgesellschaft und deren Flucht in einen Prothesengott oder aber in eine dissoziierte und virtuelle Welt, \u00e4hnlich dem H\u00f6hlengleichnis Platons. Nur mit dem Unterschied, dass wir nicht von Kindheit an in der H\u00f6hle festgebunden sind. Zudem scheinen wir auch selbst daf\u00fcr zu sorgen, welche Gegenst\u00e4nde hinter uns vorbeigetragen werden, die dann das Licht auf die H\u00f6hlenr\u00fcckwand werfen. Es ist eine Flucht in eine innere unwirkliche Welt mit Bildern und ohne Sprache. Der Film spricht eine Sehnsucht nach dem Verschmelzen, vielleicht auch ozeanisches Gef\u00fchl an und ber\u00fchrt damit tiefe Sehns\u00fcchte in uns, eins zu werden mit dem Gegen\u00fcber, in dem nicht die unvollkommene Sprache der Garant f\u00fcr st\u00e4ndige Missverst\u00e4ndnisse sein muss. Man ist eins, denkt sowieso das gleiche usw. Nur so ist Welt und Liebe sch\u00f6n. Es mutet an wie die Sehnsucht nach einem pr\u00e4natalen Zustand, die als das ungedachte Bekannte gewusst wird, aber eben (noch) nicht gedacht werden darf (was Bollas beschreibt). Es in Sprache zu fassen w\u00fcrde der erste Schritt bedeuten, sich schmerzlich von dieser vielleicht unstillbaren Sehnsucht zu einem gro\u00dfen Teil zu verabschieden. Oder aber wir entscheiden uns daf\u00fcr, die immer wieder auch entt\u00e4uschende und schmerzliche Wirklichkeit auf dem Altar der Illusionen zu opfern.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kim Ki-Duk (2004): \u201eBin-Jip\u201c Inhalt des Films: Der Protagonist Tae-suk l\u00e4sst sich auf seinem Motorrad durch die Stadt treiben. 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