{"id":165,"date":"2010-03-21T13:48:56","date_gmt":"2010-03-21T12:48:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.u-porsch.de\/?page_id=165"},"modified":"2013-11-16T14:56:25","modified_gmt":"2013-11-16T13:56:25","slug":"was-sind-die-grundannahmen-der-psychoanalyse","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.u-porsch.de\/?page_id=165","title":{"rendered":"Was sind die Grundannahmen der Psychoanalyse?"},"content":{"rendered":"<p>Allgemein formuliert ist die Psychoanalyse<\/p>\n<ul>\n<li>der Name eines Verfahrens zur Untersuchung seelischer Vorg\u00e4nge, insbesondere unbewusster Ph\u00e4nomene, welche sonst kaum zug\u00e4nglich sind<\/li>\n<li>eine therapeutische Methode zur Behandlung neurotischer und\u00a0psychosomatischer Symptome und Pers\u00f6nlichkeitsst\u00f6rungen<\/li>\n<li>eine Reihe von auf\u00a0psychologischem Wege gewonnenen Einsichten, die mit ihren verschiedenen Anwendungen eine eigene wissenschaftlich anerkannte Methode begr\u00fcnden<br \/>\n(vgl. hierzu S. Freud,\u00a0GW XIII, S. 211)<\/li>\n<\/ul>\n<p>Zu den zentralen Annahmen der Psychoanalyse geh\u00f6ren folgende Aspekte:<\/p>\n<ul>\n<li><strong><em>psychische Determinismus<\/em><\/strong><br \/>\nPsychoanalytiker gehen davon aus, dass aktuelle psychische St\u00f6rungen und eine Reihe von organisch nicht ausreichend zu erkl\u00e4renden k\u00f6rperlichen Symptome der Versuch des Individuums ist, vor dem Erfahrungshintergrund fr\u00fcherer bewusster und unbewusster Erlebnisse sich an aktuelle Anforderungen oder aber \u00dcberforderungen anzupassen. Dies hei\u00dft jedoch nicht, dass z.B. famili\u00e4re, genetische oder andere soziale Faktoren beim Zustandekommen der St\u00f6rung unber\u00fccksichtigt bleiben.<\/li>\n<li><strong><em>unbewusste psychische Prozesse<\/em><\/strong><br \/>\nDas Denken und Handeln wird nicht nur von bewussten, sondern auch von komplexen unbewussten Prozessen bestimmt. Unbewusste Phantasien, W\u00fcnsche nach Triebbefriedigung und Sicherheit usw. beeinflussen das Verhalten, die Wahrnehmung eigener und fremder Gef\u00fchle und f\u00e4rben die kognitiven und Verhaltensmuster, d.h. wie wir die soziale Umwelt wahrnehmen und uns in ihr bewegen und agieren.<\/li>\n<li><strong><em>verinnerlichte Strukturen der Beziehungserfahrungen<\/em><\/strong><br \/>\nDie Erfahrungen, die die Individuen w\u00e4hrend ihrer Lebensgeschichte mit anderen Menschen gesammelt haben, finden ihren Niederschlag in inneren Strukturen. Diese so genannten Selbst- und Objekt-Repr\u00e4sentanzen erzeugen im Hier und Jetzt Erwartungen in Bezug auf das eigene Verhalten und das der anderen Menschen. Sie stehen sozusagen f\u00fcr die Gesamtheit der inneren Welt.<\/li>\n<li><strong><em>Allgegenw\u00e4rtigkeit des psychischen Konfliktes<\/em><\/strong><br \/>\nInnere Konflikte zwischen unterschiedlichen eigenen W\u00fcnschen und verinnerlichten Normen und Erwartungen der Umgebung sind unvermeidlich, f\u00fchren jedoch bei einer fr\u00fchen unzureichenden f\u00f6rderlichen Umgebung zu chronischen Konflikten mit \u00fcberw\u00e4ltigender Intensivit\u00e4t. Kinder, die in einer solchen Umgebung aufgewachsen sind und Traumen, fr\u00fche Verluste, sexuellen und k\u00f6rperlichen Missbrauch erleben mussten, sind dann auch sp\u00e4ter von Konflikten \u00fcberw\u00e4ltigt, auch wenn diese f\u00fcr\u00a0Andere \u00a0&#8217;normale&#8216; Schwellensituationen darstellen.<\/li>\n<li><strong><em>Abwehrmechanismen<\/em><\/strong><br \/>\nUnbewusste Motive, Phantasien oder vergangene Erlebnisse, die den Individuen peinlich, besch\u00e4mend und unertr\u00e4glich erscheinen, werden durch bestimmte Strategien, den sogenannten Abwehrmechanismen\u00a0vom bewussten Denken fern gehalten. Je nach individueller Entwicklung, innerer Struktur und Erfahrung stehen dem Individuum unterschiedliche Strategien zur Verf\u00fcgung. Sie reichen von Verleugnung, Verdr\u00e4ngung, Verschleierung der Motive durch eine Verkehrung ins Gegenteil, Wendung der Aggression gegen sich Selbst, Sublimierung oder der Entwicklung von k\u00f6rperlichen Symptomen ohne ausreichende organische Ursache u.v.m. Alle diese Mechanismen versuchen sicher zu stellen, dass das\u00a0Unertr\u00e4gliche und Schmerzhafte nicht gedacht, \u00a0nicht gef\u00fchlt werden muss.<\/li>\n<li><strong><em>Beziehung zwischen Analytiker und Patient steht im Zentrum der Therapie<\/em><\/strong><br \/>\nDie Beziehungsgestaltung des Patient mit seinem Analytiker schafft einen Einblick, in die h\u00e4ufig unausgesprochenen Erwartungen des Patienten an seine Umgebung. Sie\u00a0erm\u00f6glicht ein Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die verleugneten und verborgenen W\u00fcnsche, Phantasien und Impulse sowie f\u00fcr die konflikthaften Aspekte der Beziehung zu wichtigen Bezugspersonen der aktuellen und fr\u00fchen Lebensgeschichte, in dem sich diese in der aktuellen Beziehung zum Analytiker wiederholen. Ausgesprochene und unausgesprochene Worte, Handlungen und Gesten wirken auf den Analytiker ein, bieten ihm sozusagen eine Rolle im unbewussten Drehbuch des Patienten an, die der Analytiker damit erforschen und verstehen kann, d.h. wie der Patient seine innere Welt samt seinen Erwartungen, W\u00fcnschen und Phantasien strukturiert hat. Der Patient &#8222;\u00fcbertr\u00e4gt&#8220; sozusagen seine Beziehungserfahrungen samt den W\u00fcnschen und Erwartungen auf den Analytiker und erm\u00f6glicht damit das Verstehen, die Durcharbeitung, das Reflektieren der Muster, die in der Vergangenheit immer wieder zu schmerzhaften und leidvollen Erfahrungen gef\u00fchrt haben.<\/li>\n<li><strong><em>haltgebende therapeutische Beziehung<\/em><\/strong><br \/>\nDie reale Beziehung des Patienten zu seinem Analytiker ist neben dem Verstehen der unbewussten Konflikte ein weiteres wichtiges therapeutisches Agens. Es gibt dem Pat. die M\u00f6glichkeit, sich in einem sicheren Raum und innerhalb einer haltgebenden therapeutischen Beziehung mit den eigenen schmerzlichen Erfahrungen, mit peinlichen und\/oder\u00a0besch\u00e4menden Impulsen und W\u00fcnschen besch\u00e4ftigen zu k\u00f6nnen, ohne Bewertung oder gar Abwertung f\u00fcrchten zu m\u00fcssen. Die Sicherstellung einer solchen intensiven und sicheren Beziehung erm\u00f6glicht dem Patienten, seine innere Welt neu zu\u00a0integrieren, strukturieren sowie andere, &#8222;ges\u00fcndere&#8220; Abwehrmechanismen entwickeln zu k\u00f6nnen.<br \/>\n(vgl. hierzu\u00a0u.a. Sandler &amp; Joffe, 1969; Fonagy &amp; Target, 2006)<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Allgemein formuliert ist die Psychoanalyse der Name eines Verfahrens zur Untersuchung seelischer Vorg\u00e4nge, insbesondere unbewusster Ph\u00e4nomene, welche sonst kaum zug\u00e4nglich sind eine therapeutische Methode zur Behandlung neurotischer und\u00a0psychosomatischer Symptome und&hellip; <\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":2,"menu_order":5,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"ngg_post_thumbnail":0},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.u-porsch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/165"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.u-porsch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.u-porsch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.u-porsch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.u-porsch.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=165"}],"version-history":[{"count":23,"href":"https:\/\/www.u-porsch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/165\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":271,"href":"https:\/\/www.u-porsch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/165\/revisions\/271"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.u-porsch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/2"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.u-porsch.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=165"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}